Das Individuum konstituiert sich über seine Merkmale. Diese Merkmale können in äußere Merkmale, d.h. biologische, anatomische etc., und intrensische Merkmale, so Charaktereigenschaften, soziale Rolle, Phobien etc., unterschieden werden. All diese Merkmale zusammengenommen konstruieren die Identität eines Individuum. Bestimmte biologische Merkmale, wie gewisse anatomische Muster, charakterisieren ein Individuum der Spezies Mensch.

Die sexuelle Orientierung besitzt mindestens zwei Aspekte: 1. Die Phantasie der eigenen Aktion, 2. Die Phantasie über das Objekt des Begehrens. Die sexuelle Orientierung wird sowohl naturell als auch kulturell geprägt und muß im Laufe eines Lebens eines Individuums nicht stabil bleiben.

Die Phantasie der eigenen Aktion ist ein Konglomerat aus Szenen eigenen Aktivwerdens mit Ziel einer libidinösen Bedürfnisbefriedigung.

Die Phantasie über das Objekt des Begehrens ist eine Zielorientierung auf ein Set von Merkmalen eines (des begehrten) anderen Individuums (bei Menschen in der Regel, aber nicht zwangsläufig, ein Mensch). Dabei beschränkt sich diese Phantasie nicht auf äußere Merkmale, wie zum Beispiel das biologische Geschlecht, sondern ist personenabhängig eine Eng- oder Weitfassung aller konstituierenden Merkmale eines Individuums. Zum Beispiel sind viele Menschen nicht nur auf ein biologisches Geschlecht fixiert, sondern orientieren sich nur auf das, was sie "ihren Typ" nennen, also eine viel kleinere Gruppe aus der großen Gruppe des biologischen Geschlechts. Andererseits gibt es Menschen, denen Merkmale unabhängig vom biologischen Geschlecht Befriedigung bringen.

Die sexuelle Orientierung ist auch nicht auf EIN Set von Merkmalen beschränkt. Der Mensch kann sich auf mehrere dieser Merkmalskombinationen orientieren, wobei keine Kombination einen Vorrang besäße.

Aus der Evolution des Menschen heraus erklärt sich die statistische Häufigkeit des sog. heterosexuellen Menschen, als den Menschen, der den größten Beitrag zur Arterhaltung beisteuert. Dabei ist die Evolution sowohl genetisch als auch sozial wirksam, d.h. der heterosexuelle Mensch gibt seine Gene und seine soziale Rolle an die folgende Generation weiter und tritt daher mit der größten statistischen Häufigkeit auf.

"Dabei ist zu vermuten, dass die sakralen Symbole und das zentrale Imaginäre einer Religion um so energiegeladener und gefährlicher sind, je ausgeprägter die Anonymität und je angstbesetzter die Verleugnungen sind, auf den sie beruhen." Brinkschröder, Kap. 3.4.3., S. 81, upon footnote 135

"Das antihomosexuelle Imaginäre des Christentums bezieht seine Plausibilität zu einem großen Maße daraus, dass es Szenen und Strukturen ausblendet und verdrängt, die seine eigene Inkohärenz aufzeigen würden." Brinkschröder, Kap. 4.1.3., S. 97, upon footnote 167

"Der Psychoanalyse erscheint vielmehr die Unabhängigkeit der Objektwahl vom Geschlecht des Objekts, die gleich freie Verfügung über männliche und weibliche Objekte, wie sie im Kindesalter, in primitiven Zuständen und frühhistorischen Zeiten zu beobachten ist, als das Ursprüngliche, aus dem sich durch Einschränkung nach der einen oder der anderen Seite der normale wie der Inversionstypus entwickeln (Freud 1905a [1910]: 48; 1910 [1919]:68f.)." Brinkschröder, Kap. 4.2., S.101, upon footnote 168

Mit Hilfe einer evolutionsgeschichtliche Überlegung kann Freud hier beigepflichtet werden. Die heterosexuelle Arterhaltung müßte aufgrund ihres genetischen und sozialen Selektionsvorteils, sprich durch die Weitergabe von Genen und durch die Weitergabe der heterosexuellen sozialen Rolle an kommende Generationen, die Homosexualität inzwischen vollständig verdrängt haben. Da dies nicht geschehen ist, kann von Homosexualtät im Sinne obigen Zitats von Freud als anthropologische Konstante ausgegangen werden.

Eine weitere Überlegung aus dieser Richtung: Der Mensch stammt entwicklungsgeschichtlich von einem Wesen ab, welches sich nicht zweigeschlechtlich vermehrt hat. Eine vollständige Spaltung in zwei Geschlechter wird der Mensch nie vollziehen, da er in seinem individuellen Leben die Morphogenese der gesamten Evolution nachvollzieht. Die Eingeschlechtlichkeit wohnt ihm latent inne. Link -> Teilhard de Chardin: Mensch im Kosmos.

"Das somatische Geschlecht wird durch das anatomische Geschlecht (d.h. vor allem durch die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale), aber auch durch das chromosomale, gondale und hormonelle Geschlecht determiniert. Wie das somatische Geschlecht bestimmt wird, d.h. die Festlegung einer Entscheidungshierarchie zwischen den Faktoren, ist historisch veränderlich. Die Spanne beginnt damit, dass über das somatische Geschlecht nur nach dem anatomischen Augenschein im bekleideten Zustand befunden wird, und reicht bis dahin, dass von Fachleuten auf der Grundlage biologisch-medinzinischer Diskurse und Bestimmungstechniken geurteilt wird." Brinkschröder, Kap. 4.2., S.103, upon footnote 173

"denn wenn biologische und hormonale Imperative tatsächlich so überwältigend wären, bräuchte man heterosexuelle Bindungen nicht über den Weg der ökonomischen Interdependenz zu stabilisieren." Brinkschröder, Kap. 4.3.1., S.109, upon footnote 183

"Auf den typischen Verschiebungspfaden wird so z.B. Schaulust in Wißbegierde und Forscherdrang umgewandelt, Zeigelust in künstlerische Tätigkeit (Freud 1910:46f.); sadistische Ziele in eine Begeisterung für Soldatentum und Militär und masochistische Ziele in religiösen Glauben an Jesus Christus sublimiert (Freud 1918: 180-186.225-227; 1910:92f.)" Brinkschröder, Kap. 4.4.4., S.132, upon footnote 223

"Den Bedürfnissen des Zwangsneurotikers bieten sich sakralisierte religiöse Symbole als öffentliche Institution an, durch die er seine psychischen Konflikte sublimieren und kanalisieren kann. Mit den Zwangsvorstellungen ist deshalb ein ritualistischer und dogmatistischer Typus der Religionsausübung verbunden, bei dem die korrekte Ausübung des Zeremoniells und das richtige Bekenntnis für wichtiger erachtet werden als die Lebendigkeit des Glauben." Brinkschröder, Kap. 4.4.4.., S.134, upon footnote 225

"Die Sublimierung ist nicht einfach eine Veredelung sexueller Wünsche zu kultureller Kreativität, sondern der Mechanismus, der die Psyche an institutionalisierte Symbolkomplexe anschließt." Brinkschröder, Kap. 4.4.4., S.135, upon footnote 228

" 'Ins Unbegrenzte fortzusetzen ist dieser Verschiebungsprozeß aber sicherlich nicht, sowenig wie die Umsetzung der Wärme in mechanische Arbeit bei unseren Maschinen. Ein gewisses Maß direkter sexueller Befriedigung scheint für die allermeisten Organisationen unerläßlich, und die Versagung dieses individuelle variablen Maßes straft sich durch Erscheinungen, die wir infolge ihrer Funktionsschädlichkeit und ihres sujektiven Unlustcharakters zum Kranksein rechnen müssen' (Freud 1908b:117f.)" Brinkschröder, Kap. 4.4.4., S.136, behind footnote 228

Bei Brinkschröder fehlen Darstellungen der Rechtspraxis bzw. des Rechtsvollzuges. Wurde z.B. die Todesstrafe jemals wegen Päderastie etc. durchgeführt. mrw, 11.08.2006